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Der Flughafen Sperenberg

 

Auf dem Territorium der ehemaligen DDR existierten von 1945 bis 1994 insgesamt 63 Flugplätze, die für militärische Zwecke genutzt wurden.

Der Luftraum über Ostdeutschland war knapp bemessen. Über Hunderte von Kilometern stieß die Grenze der DDR an westlichen Luftraum bzw. die Pufferzone zwischen NATO und den Warschauer Vertragsstaaten. Außerdem wurde der DDR-Luftraum von den drei Luftkorridoren nach Westberlin und dem Verbindungsweg zwischen Kopenhagen und Prag durchschnitten. 

Um den Flughafen Berlin-Schönefeld vom militärischen Luftverkehr zu entlasten und ausschließlich zur zivilen Nutzung zu verwenden, begannen die Planungen zum Bau und zur Finanzierung  eines Flughafens in Sperenberg bereits 1957 mit schwierigen Verhandlungen zwischen der DDR Regierung und der sowjetischen Generalität. Außer Sperenberg wurden noch Standorte in Drewitz, Schönefeld und Rangsdorf diskutiert.

( Interessante und unterhaltsame Anekdoten und Zeitzeugenberichte finden Sie hier )

 

 

Man entschied sich für ein etwa 3000 Hektar großen Gebiet bei Sperenberg, welches schon von den königlich-preußischen Eisenbahnpionieren,  der Deutschen Raketenforschungsanstalt der Wehrmacht und nach dem 2. WK von der Sowjetbesatzung zu militärischen Übungs- und Forschungszwecken genutzt wurde.

Aufbau in Sperenberg:

  • 1. Bauabschnitt 1958-60 durch „Spezialbau Potsdam“ mit Unterstützung durch Strafgefangene des Zuchthauses Brandenburg

  • 2. Bauabschnitt bereits im Laufe der 60er Jahre

  • 3. Bauabschnitt 1972-74 mit Dezentralisierung der Abstellflächen für Transportmaschinen.

  • Ab September 72 laufende Projektierung für Abstellflächen im NW-Teil durch „Autobahnkombinat Potsdam“, Flugzeugwartungshalle durch „BMK-Ost Brandenburg“ und Elektroanlagen durch „PGH Klausdorf“

  • Am 1. Mai 1974 Fertigstellung des 3. Bauabschnitts

Mit Fertigstellung des Flugplatzes war er Standort für das „Selbstständig-Gemischte Fliegerregiment“ der sowjetischen Streitkräfte. Das Rufzeichen des Flugplatzes war „CYBENIP“ (Souvenir).  Die Start- und Landebahn war 2600m lang und 53m breit, die gesamte Flugplatzfläche umfasste  667 ha.

Die Belegung erfolgte zunächst mit zweimotorigen Passagier- und Transportflugzeugen des Typs Lissunow Li-2 und einigen wenigen Iljuschin IL-14 Transportflugzeugen.

Mitte der 60er Jahre waren hier stationiert:  zwölf Li-2, zehn IL-14, zwölf An-12, fünf An-2 und zwanzig Hubschrauber des Typs Mi-4. Ab 1969 kamen auch modernere Typen, wie An-24 und An-26 sowie eine Tu-134A hinzu.

Etwa Mitte der 70er Jahren wurde auch eine Aufklärungsfliegerabteilung (39. ORAO / Selbständige Aufklärungsfliegerabteilung) für die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung („FmEloAufKl“) stationiert. Dazu gehörten zwei Spezialaufklärungsmaschinen vom Typ IL-20, einige IL-22 und An-12 sowie Maschinen vom Typ An-26 RTR. Außerdem standen für Fotoaufklärung und diverse Überwachungsflüge Hubschrauber vom Typ Mil Mi-8 T, MT und T(K) bereit.

Von hier aus wurden dann für die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSTD/WGT), deren Hauptquartier sich im nahe gelegenen Wünsdorf befand, Einsätze im Rahmen der FmEloAufKl gegen Ziele in Westdeutschland gestartet.

Der Flugplatz besaß zudem ein unabhängiges Transportregiment, das mit Antonov An-12BP, An-24  und An-26B für allgemeine Transportaufgaben zuständig war. Hubschrauber vom Typ Mi-8 und Mi-24 gehörten auch dazu, einschließlich des Mi-24RKR „Hind-G1“ NBC-Untersuchungmodells, das u.a. mit kleinen Greifern ausgestattet wurde, um im Ernstfall Bodenproben für die Auswertung der Strahlungs-, biologisch-, und chemischen Verschmutzung zu sammeln.
Außerdem wurde für den Kommandanten in Wünsdorf eigens eine Tupolev Tu-134A-3 in „VIP-Konfiguration“ bereitgehalten, die aber nicht sehr häufig flog.

Der Ablauf im Flugplatz wurde bestimmt durch die Ausbildung von Piloten und Fallschirmspringern, Verbindungsflüge zu anderen Staaten des Warschauer Vertrags im Auftrag des Oberkommandos Wünsdorf sowie Transporte zum Truppenaustausch oder der Stationierung von Tu-16 bei Manöver. Aeroflot Il-76 und An-22 Maschinen waren häufige Besucher in Sperenberg, die zusammen mit Il-18 und Tu-154 die täglichen Personen-, Post- und Kurierflüge nach Moskau erledigten.

Als Besonderheit besaß der Flugplatz auch ein ziviles Abfertigungsgebäude. Die sich um den Flugplatz entwickelnde Wohnstadt mit eigener Infrastruktur, 20-Klassenschule, Großbäckerei, diversen Geschäften („Magazinen"), Kindergarten, Poliklinik, Kino und täglicher Verkehrsanbindung nach Potsdam, Wünsdorf und Moskau, beherbergte nach Insiderschätzungen damals  fast 5.000 Soldaten und Zivilangestellte. Sperenberg hatte zu dieser Zeit etwa 2.200 Einwohner.

Zu dieser Zeit waren auf dem Sperenberger Flugplatz folgende Typen stationiert: Mi-2 Mi-6, Mi-8, Mi-9, Mi-24, AN-2, AN-12, AN-24, AN-26, TU-134, IL-20, IL-22

Nachdem 1990 der Vertrag über den Rückzug der sowjetischen Streitkräfte aus Deutschland unterzeichnet wurde, begann die geordnete Rückführung der Westgruppe 1991 und endete 1994. Eine noch zu Beginn der 90er Jahre geplante Verlängerung der SLB in Richtung West kam nicht mehr zur Durchführung. Zum Abtransport der Militärgüter kamen zahlreiche der damals größten Transportflugzeuge der Welt zum Einsatz. Dazu zählten u.a. die legendäre Iljuschin Il-76, die Antonow An-124 und sogar Antonow An-22 wurden mehrfach in Sperenberg gesichtet.

Höhepunkt war die Verabschiedung der Westgruppe am 27 Mai 1994 unter Teilnahme einiger Mig-29. Am Abend des 6. September startete eine An-12 als letzte Maschine der russischen Luftstreitkräfte in Sperenberg. Somit war die Bundesrepublik Deutschland ab 31. August 1994 frei von russischen Truppen.

 

Schlussbemerkungen

Am 7. September 1994 erfolgte die Übergabe des geschlossenen Flugplatzes an die deutsche Verwaltung.  Seit 1999 wurde erwogen, das sowjetische Abfertigungsgebäude und den Kontrollturm unter Denkmalschutz zu stellen. Danach war das Gelände bis 2006 „stille Reserve" der Landesregierungen in Brandenburg und Berlin für den eventuellen Bau des geplanten Großflughafens „Berlin Brandenburg International" (BBI). Diese Maßnahme war die Hauptursache, dass in diesen mehr als 10 Jahren erwartungsvolle Investoren in unserer Region abgeschreckt wurden.

Das ehemalige Militärgelände in Sperenberg und Kummersdorf - Gut bietet mit seinen großen Flächen an Wald, Wasser und Heide nicht nur eine reizvolle Natur. Es ist gleichzeitig mit zahlreichen touristisch nutzbaren Relikten aus mehr als 130 Jahren deutscher Forschungs- und Militärgeschichte ausgestattet.

Das verlassene Militärgelände wurde von den verschiedensten Wachschutzbetrieben bewacht. Anfangs rund um die Uhr, wurde dieser aber mit den immer knapper werdenden Haushaltsmittel auf ein Minimum reduziert und schließlich eingestellt. Als danach Diebstahl und Vandalismus erheblich zunahmen, wurden wieder mehrere tägliche Kontrollfahrten eingeführt.

Den in den zurückliegenden Monaten vielfältig angelaufenen Initiativen zur wirksamen Entwicklung des Tourismus in der Gemeinde am Mellensee und besonders auf dem ehemaligen Militärgelände wünscht auch der Förderverein Heimatstube Sperenberg e. V. viel Erfolg.

 

 

 

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